2,493 Milliarden Euro: wie erklärt sich die Bahn AG die neuerliche Kostenexplosion beim Pfaffensteigtunnel?

Wir fragen und bitten um schriftliche Antworten:

  1. Wie erklärt sich die Bahn AG bzw. die DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH die Kostensteigerung in Höhe von rund 800 Millionen Euro beim Pfaffensteigtunnel noch bevor der Baubeginn erfolgt ist?
  2. Auf welcher Grundlage basiert die aktuelle Kostenrechnung und auf welcher Grundlage basierte die vorherige Kostenrechnung?
  3. Wer übernimmt die jetzt bekannt gewordenen Mehrkosten in Höhe von 800 Mio. Euro für den Pfaffesteigtunnel?
  4. Hält die DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH die Kostenschätzung der Vieregg-Rössler GmbH für den Pfaffensteigtunnel von mindestens 5,5 Milliarden Euro Baukosten für plausibel?
  5. Wann verkündet die DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH die nächste Kostenexplosion?
  6. Warum hat die Bahn AG die Kostenexplosion lediglich unter ferner liefen im Infraplan versteckt und dies ohne jede Erklärung?
  7. Ist die Bahn AG von ihrem Versprechen der maximalen Transparenz abgewichen und wenn ja warum?

Begründung:

Der Pfaffensteigtunnel ist das Ergebnis eines riesigen Bauversagens im Zuge des Milliardenprojekts Stuttgart 21. Der sogenannte Gäubahn-Filder-Murks, der von der Schutzgemeinschaft Filder und dem Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 (heute: Aktionsbündnis Kopfbahnhof Stuttgart) jahrelang heftig kritisiert wurde führte Anfang der 2020-er Jahre zu einem Umdenken: Die Lösung sollte ein 11,5 Kilometer Tunnel sein, der einen Anschluss der Gäubahn über den Flughafen und den Fildertunnel in den zukünftigen S21-Tiefbahnhof schaffen sollte. Was dabei immer verkannt wurde: es gibt bereits einen Anschluss der Gäubahn über den Stuttgarter Hauptbahnhof: über die Panoramabahn. Voraussetzung dafür: die Gleise müssen liegen bleiben und die Rosenstein-Bebauungsphantasien müssen beendet werden. Nun hat die Stadt Stuttgart das Geld für eine Bebauung des Rosenstein-Areals nicht (mehr), also bleiben die Gleise liegen. Wenn es so einfach wäre.

Die Projektbetreiber hielten in all den Jahren immer am Pfaffensteigtunnel fest. Die Kosten wurden anfänglich gar nicht genannt. Im Juni 2020 war man mit einer Grobkostenschätzung von 919 Millionen Euro an die Öffentlichkeit gegangen. Dass diese Kosten unseriös waren und sind, wusste damals schon alle, die sich mit den Kostenexplosionen bei Stuttgart 21 befasst hatten. Die Bundesregierung stellte im Januar 2026 schließlich 1,69 Milliarden Euro für den Bau des Pfaffensteigtunnels bekannt. Zuvor war das rennomierte Verkehrsbüro  Vieregg-Rössler GmbH bereits mit einer Kostenschätzung von mindestens 5,5 Milliarden Euro für den Pfaffensteigtunnel an die Öffentlichkeit getreten. Eine Reaktion von Bahn und Bund blieb einmal mehr aus.

Am 6. Oktober stellte das Bundesverkehrsministerium den Plan für die Bahninfrastruktur bis 2030 der Öffentlichkeit vor. In dem Plan fehlt Stuttgart 21 komplett, aber der Pfaffensteigtunnel steht dort. Überraschend: die Baukosten werden auf 2,493 Milliarden Euro taxiert und damit ziemlich genau 800 Mio. Euro mehr, als im Bundeshaushalt für Deutschlands bisher längsten Eisenbahntunnel vorgesehen ist. Diese Kostenexplosion steht ohne Erklärung und noch vor dem Baubeginn, der am 12. Oktober erfolgen soll. Das wirft Fragen auf, wie es zu dieser neuerlichen Kostenexplosion kommen konnte.

 

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