Nach Stresstest-Betrug: Wie will die Verwaltung mit Stuttgart 21 jetzt umgehen?

Wir fragen und bitten Nach § 27 Abs. 2 der Geschäftsordnung des Gemeinderats der Stadt Stuttgart um schriftliche Antworten binnen sechs Wochen:

  1. Wie bewertet die Verwaltungsspitze die Tatsache, dass beim Stresstest für den Stuttgart-21-Tiefbahnhof betrogen worden ist?
  2. Welche Konsequenzen aus dem Betrug beim Stresstest sieht die Verwaltungsspitze für einen funktionierenden Bahnknoten Stuttgart?
  3. Wird sich die Verwaltungsspitze dafür einsetzen, dass der Kopfbahnhof jetzt saniert und dauerhaft erhalten bleibt?
  4. Gedenkt die Verwaltungsspitze sich dafür einzusetzen, dass der Stresstest wiederholt werden muss?

Begründung:

Einer der zentralen Streitpunkte beim Projekt Stuttgart 21 war immer die Frage, wie leistungsfähig der 8-gleisige Tiefbahnhof im Vergleich zum Kopfbahnhof ist. Hierfür wurde im Jahr 2011 eigens ein sogenannter Stresstest initiiert. Für die Simulation hatte die Bahn AG die schweizerische Beratungsgesellschaft SMA zurate gezogen. Deren Chef und Gründer, Werner Stohler, sagte bei der Präsentation des Stresstests unter anderem wörtlich: „Wir sind, seit wir uns selber gegründet haben, der Objektivität und der Neutralität verpflichtet.“

15 Jahre später revidiert Stohler seine eigenen Aussagen. Stohler wörtlich in einem Interview mit Klaus Gietinger: „Ich habe eben selber nicht an diese Kapazitätsberechnungen geglaubt, weil sie für mich wissenschaftlich aber wertlos waren“. Mit anderen Worten: es wurde gelogen und betrogen.

Der damalige Geschäftsführer der SMA, Giuliano Montanaro, bestätigt die scharfe Kritik am Stresstest in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung vom 28. September 2026. Zum Stresstest sagte Montanaro: „Wir hatten also weder das Werkzeug noch seine Parametrisierung und Kalibrierung selbst in der Hand.“ Ein weiterer Beleg dafür, dass beim Stresstest wissentlich unsauber gearbeitet wurde. Monranaro selbst wurde infolge seiner Skepsis aus dem Projekt Stresstest von Stohler abgezogen und verließ kurz darauf das Unternehmen.

Infolge dieser beiden Aussagen kam es zu einer breiten medial geführten Diskussion um die Kapazitäten des geplanten S21-Tunnelbahnhofs. Einzig die Stuttgarter Verwaltungsspitze hat sich bis dato mit keinem Wort zum Betrug am Stresstest geäußert. Angesichts der drohenden Konsequenzen, wenn weiter mit dem Tunnelblick gebaut werden sollte (Rückbau der Schieneninfrastruktur), ist dies fahrlässig und verantwortungslos. Mit dem Betrug am Stresstest ist einmal mehr deutlich geworden, dass der S21-Tunnelbahnhof die geforderte und benötigte Leistung niemals wird leisten können. Ungelöst beim S21-Tiefbahnhof bleiben die Fragen nach den Sicherheitsbedenken zu Brandschutz, Schräglage und zu enge Bahnsteige, und die Überflutungsgefahr im Falle von Starkregenereignissen.

Stattdessen ist deutlich geworden, dass es dauerhaft oberirdische Gleise braucht – auch mit Blick auf die Klimaziele und die Verkehrswende.

Was es jetzt braucht, ist der Blick nach vorne: Es besteht jetzt die historische Chance auf einen Super-Bahnknoten mit 24 Gleisen, der zukunftssicher und günstiger ist, als an den bestehenden Plänen festzuhalten. Der Super-Bahnhof funktioniert unter der Voraussetzung, dass Brandschutz, Gleisneigung, zu enge Bahnsteige und Überflutungsgefahr bei Starkregen gelöst sind.

Das unnötige wie unnütze Projekt Pfaffensteigtunnel kann bei einem vollständigen Erhalt der oberirdischen Gleise ersatzlos entfallen und würde Milliarden einsparen. Stuttgart braucht einen Bahnhof mit Zukunft.

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