Wir fragen und bitten nach § 27 Abs. 4 der Geschäftsordnung des Gemeinderats der Stadt Stuttgart um Antworten nach spätestens sechs Wochen zu folgenden Fragen:
- Wann plant die LBBW Immobilien Development GmbH mit den Bauarbeiten zur Errichtung des Gebäudes in der Cannstatter Marktstraße Ecke Badstraße?
- Was ist der Grund für die Verzögerung der Bauarbeiten?
- Welche Auswirkungen werden die Bauarbeiten auf den Fußverkehr am Cannstatter Wilhelmsplatz haben?
- Mit welchen Lärm- und Schmutzbelästigungen muss die Cannstatter Einwohner*innenschaft in den nächsten Jahren rechnen?
- Plant die LBBW bis zum Baustart die eingezäunte Fläche der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen?
Begründung:
Der Bad Cannstatter Kaufhof wurde im Oktober 2020 geschlossen. Gut zwei Jahre später, Ende des Jahres 2023 wurde das Gebäude abgerissen. Seit dem ist vor Ort genau gar nichts passiert. Ein riesiges LBBW-Loch, umgeben von einem unansehnlichen Bauzaun dominiert den zentralen Platz in Bad Cannstatt. Die LBBW war sich offenkundig zu fein dafür, diese zentrale Fläche in Bad Cannstatt der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen oder wenigstens einen kleinen Beitrag zum vom Bezirksbeirat Bad Cannstatt beklagten Down-Trading-Effekt in der Cannstatter Marktstraße zu leisten.
Im Juli 2023 wurde die Auslobung des Wettbewerbs für das Gebäude LBBW Immobilien Development GmbH beschlossen – es folgte der Wettbewerb und die Vorstellung des Ergebnisses im Mai 2024 im Bezirksbeirat Bad Cannstatt. Vollmundig war von einem Baustart im dritten Quartal 2025 die Rede – zwei Jahre Baulärm, Schmutz und möglicherweise Umwege sollte folgen, bis das Gebäude, welches sich „am hässlichen Wilhelmsplatz orientiert“ (Siehe Protokoll vom STA, 7.5.2024) fertiggestellt sein sollte. Passiert ist bis zum heutigen Tage am Wilhelmsplatz rein gar nichts.
Jetzt zeigt sich einmal mehr, dass die klimaschädliche Abrisspolitik auch Auswirkungen auf die Stadtgesellschaft hat. Jahrelange Brachflächen und Investor*innen, die sich nicht einmal darum bemühen, eine Zwischennutzung der Flächen zu ermöglichen sind die Folgen dieser rücksichtslosen Vorgehensweise. Das Benko-Loch an der Ecke Schulstraße/Königstraße ist ein prominentes Beispiel für diese Unverfrorenheit. Ein paar Meter weiter am Wittwer am Schlossplatz könnte sich ähnliches wiederholen: Ende 2027 soll das haus geschlossen werden, der Neubau soll laut Aktenlage 2031 fertig gestellt sein. Vier Jahre Trostlosigkeit am zentralsten Ort der Stadt sind die Folge.
Wir wollen diese Art der Brachflächenpolitik verhindern. In erster Linie gilt es, Abriss-Neubau zu verhindern. Denn die Stadt der Zukunft ist bereits gebaut. Wenn abgerissen werden muss, dann zu Bedingungen, welche die Öffentlichkeit so wenig wie möglich tangiert. Zwischennutzungen bis zum Abiss sollen Standard sein, Brachflächen sollen öffentlich bespielt werden bis gebaut wird. Und die Einschränkungen durch die Baustellen sollen so gering wie möglich gehalten werden. Die Cannstatter Brachfläche muss hier als mahnendes und gleichzeitig inakzeptables Beispiel dienen, wie Stadtumbau NICHT funktioniert.




