Wir beantragen, der Gemeinderat möge beschließen:
- Der Oberbürgermeister wird beauftragt, unverzüglich auf die Geschäftsführung der in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft mbH & Co. KG einzuwirken, um den für den 07. November 2026 angekündigten Auftritt des kroatischen Sängers Marko Perković, bekannt unter dem Pseudonym „Thompson“, in der städtischen Porsche-Arena zu verhindern und den zugrundeliegenden Mietvertrag fristlos zu kündigen bzw. rückabzuwickeln.
- Die Stadt Stuttgart verankert in den Vergabe- und Mietrichtlinien aller städtischen Hallen und Eigenbetriebe eine rechtssichere „Demokratieklausel“, die Veranstaltungen untersagt, bei denen die Verherrlichung faschistischer Regime, Volksverhetzung oder verfassungsfeindliche Symbolik zu erwarten sind.
- Dem Gemeinderat ist in der nächsten Sitzung des Verwaltungsausschusses lückenlos Bericht zu erstatten, wie es dazu kommen konnte, dass einer der umstrittensten ultranationalistischen Akteure Europas eine städtische Bühne in Stuttgart zugewiesen bekam.
- Im Zuge der Berichterstattung informiert die Verwaltungsspitze den Gemeinderat, wie der Stand der Bearbeitung des Antrags „Leitbild für die Vergabe städtischer Räume – kein Platz für Rassismus, Rechtsextremismus, Antisemitismus, homophobes und transfeindliches Gedankengut!“ (Nr. 0130/2024 AN vom 09.09.2024) und begründet, warum hier seit über zwei Jahren nicht gehandelt wurde.
Begründung:
Mit absolutem Entsetzen und Fassungslosigkeit muss die Stuttgarter Öffentlichkeit zur Kenntnis nehmen, dass die in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft – eine hundertprozentige Tochter der Landeshauptstadt – dem stadtbekannten ultranationalistischen kroatischen Sänger Marko Perković („Thompson“) eine Bühne für seine „Live Tour 2026“ in der Porsche-Arena bietet.
Es ist ein unerträglicher politischer Skandal, dass eine Halle, die vollständig mit den Steuergeldern der Stuttgarter Bürgerinnen und Bürger betrieben wird, zum logistischen Umschlagplatz für völkische Propaganda und historischen Revisionismus verkommt.
Perković verdankt seinen Künstlernamen „Thompson“ einer US-amerikanischen Maschinenpistole aus dem jugoslawischen Bürgerkrieg. Seine Auftritte sind keine harmlosen Kulturveranstaltungen, sondern politisch hochgradig aufgeladene Events, bei denen regelmäßig der Faschismus verharmlost wird. Die Konzerte zeichnen sich aus durch:
- Faschistische Symbolik, den systematischen Einsatz des Grußes „Za dom spremni“ („Für die Heimat bereit“) – der offizielle Gruß des mörderischen, mit den Nationalsozialisten verbündeten Ustascha-Regimes.
- Historischen Revisionismus: Das offene Kokettieren mit den Symbolen eines brutalen Marionettenstaates, der für den Genozid an Hunderttausenden Jüdinnen, Juden, Roma und Serben verantwortlich war.
- Jugendgefährdung: Das gezielte Schüren von ethnischen Spannungen und nationalistischem Hass, getarnt als vermeintlicher Patriotismus.
Dass die Ticketplattform Easy Ticket Service bereits für den 16. September 2026 den Vorverkauf ankündigt, setzt der Tatenlosigkeit der Stadtspitze die Krone auf. Während andere europäische Städte und Hallenbetreiber in der Vergangenheit Konzerte dieses Künstlers aus gutem Grund verboten haben, schaut die Landeshauptstadt Stuttgart weg und nimmt die Mieteinnahmen billigend in Kauf.
In der Vergangenheit wurden Konzerte des Sängers Marko Perković im deutschsprachigen Raum von den Behörden aus Sicherheitsgründen abgesagt. Prominentestes Beispiel ist der Zagreber Bürgermeister Tomislav Tomašević, der im Juli 2025 erklärte, dass es in seiner Amtszeit keine Konzerte mehr von Marko Perković geben werde. Der Zagreber Bürgermeister sagte damals: „Ich glaube, die Bürger kamen aus Patriotismus und wegen der Musik, nicht um das Ustascha-Regime zu unterstützen. Dennoch wurden im Zentrum von Zagreb Ustascha-Lieder gesungen, und die Polizei reagierte nicht“ Die Ustascha war eine ultranationalistische und faschistische Organisation, die für den Tod von gegen 400 000 Juden, Serben, Roma und Andersdenkenden im Zweiten Weltkrieg verantwortlich war.
Stuttgart versteht sich als eine weltoffene, von Vielfalt und demokratischen Werten geprägte Stadt. Es ist die Pflicht des Oberbürgermeisters und der städtischen Gesellschaften, Schaden von unserer Stadt abzuwenden. Es darf keinen Fußbreit für die Verherrlichung des Faschismus in Stuttgart geben – erst recht nicht unter dem Dach einer städtischen Arena.
Die Verwaltung muss hier sofort die Reißleine ziehen. Ein „Weiter so“ und das Verstecken hinter rein zivilrechtlichen Vertragsklauseln ist politisch inakzeptabel und ein Schlag ins Gesicht für alle Opfer des Faschismus.
Wenn die Verwaltung nicht augenblicklich Haltung zeigt und diesen Auftritt mit allen juristischen Mitteln stoppt, macht sie sich mitschuldig an der Normalisierung demokratiefeindlicher Strömungen im Herzen unserer Stadt.
Dringlichkeit ist gegeben, da der Ticketvorverkauf unmittelbar bevorsteht und vollendete Tatsachen geschaffen werden, die den Imageschaden für die Landeshauptstadt Stuttgart irreparabel vergrößern.




